Schöne, neue, mauerfreie Welt?

“Unsere” Mauer ist weg – Wo in der Welt aber noch andere stehen, vergisst man gerne.

Die Erinnerung an 25 Jahre Mauerfall sind eine gute Gelegenheit, sich an die Mauern zu erinnern, die heute noch stehen und Symbole für Abgrenzung, Gewalt, Konflikte und Armut sind. Genauso wie die Berliner Mauer “antifaschistischer Schutzwall” hieß, werden die gegenwärtigen Mauern auch heute noch gerne als “Grenzschutz” bezeichnet oder anderweitig positiv konnotiert – für die Sicherheit von Bürgern, gegen Kriminalität oder gegen „grenzenlose“ illegale Einwanderung. Doch auf die realen Auswirkung auf das Leben der ausgegrenzten Menschen und den anderen langfristigen Folgen der Mauern redet man nur ungerne. Ganz davon abgesehen, dass sich durch eine Mauer wohl kaum ein Konflikt gelöst, oder ein Armutsproblem hat beseitigen lassen.

Hier eine kleine Aufzählung der Mauern, die heute noch stehen.Watch Full Movie Online Streaming Online and Download

Die wohl bekanntesten Absperrung ist die 759 Kilometer lange “israelische Sperranlage” zwischen Israel und dem Westjordanland, die 2002 auf der „grünen Linie“ erbaut wurde. Dazu gehören nicht nur eine Mauer, sondern auch elektronische Zäune, Schranken und Graben. Hinzu kommen ein asphaltierter Patrouillenweg, Beobachtungsposten, Bewegungsmelder, und 70 Meter militärisches Sperrgebiet auf beiden Seiten. In Jerusalem wurde stattdessen ein acht Meter hohe Stahlmauer errichtet. Im Jahre 2010 war die Absperrung zu 60% fertiggestellt. Laut dem internationalen Gerichtshof verstößt diese Anlage gegen Völkerrecht (darauf wäre man ja kaum selber gekommen).

Auch Ägypten beschloss 2009 eine Stahlmauer zur Grenze mit Gaza zu bauen. Durch den Bau wurden unzählige Tunnel zwischen dem Gazastreifen und Ägypten zerstört. Terroristen der Hamas sollen so davon abgehalten werden, nach Ägypten ausreisen. Die Vereinigten Staaten unterstützen diese Vorhaben, der auch den Waffenschmuggel nach Gaza stoppen sollte. Auch zwischen Israel und Gaza gibt es eine Grenzabsperrung, sowie zwischen Ägypten und Israel (Projekt Hourglass), die Israel vor dem sich ausweitenden Terrorismus im Sinai schützen soll. Von der saudisch- jemenitische Sperranlage oder die Mauer zwischen dem Irak und Kuwait hört man wenig. Von den Medien werden diese errichteten Mauern kaum beachtet. Auch der mit Minen versehener „marokkanische Wall“ in der von Marokko besetzten Westsahara soll das Eindringen von Rebellen in der seit 1975 besetzten Zone verhindern.

Auf der über 3000 km lange Grenze zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten wurde eine über 900 km lange Mauer gebaut, die den Drogen- und Waffenschmuggel vorbeugen, sowie die zahlreichen Flüchtlingsströme aus Süd- und Zentralamerika stoppen soll. Diese wurden jeweils mit den schönen Namen “Operation Gatekeeper” in Kalifornien, “Operation Hold-the-Line” in Texas und “Operation Safeguard” in Arizona versehen. Die Abgrenzung zwingt Flüchtlinge und Einwanderer, ihren Weg über die Wüste in den Vereinigten Staaten zu finden. Dies führte zu über 5000 Tote in den letzten 13 Jahren laut der nationalen Menschenrechtskommission von Mexiko. Der jetzige Präsident Mexikos, Enrique Pena Nieto, kritisierte die Pläne der USA für mehr Grenzsicherheit während seiner Präsidentschaftskampagne, denn seitens der Mexikaner werden diese physischen Absperrungen nicht nur als demütigend, sondern auch als diskriminierend empfunden.

In Sao Paolo, Rio de Janeiro oder Johannesburg in Südafrika gibt es zwar keine politisch motivierten Mauern die errichtet wurden. Doch „fenced communities” prägen das Stadtbild und sollen die Reichsten gegen Kriminalität und Straßengewalt schützen. Diese Mauern wurden zwar zum Schutz mancher Bürger gebaut, doch sorgen sie kaum für langfristige Lösungen: „goldene Käfige“ werden Armut nicht wegzaubern.

Auch Europa ist nicht “mauerfrei”

In den spanischen Enklaven Ceuta und Melilla, die sich auf dem afrikanischen Kontinent befinden, wurden Grenzmauern mit Hochsicherheitsanlagen errichtet. Die sechs Meter hohen mit Stacheldraht und Abhörgeräten versehenen Absperrungen sind richtige Festungsanlagen, die Spanien und somit die EU vor den Flüchtlingsstrom aus Afrika “schützen” sollen. Inwiefern diese „High-Tech Festung“ mit der Menschenrechts- und Flüchtlingspolitik der EU übereinstimmt, ist fraglich.

Auf Zypern erstreckt sich immer noch eine 300 km lange Mauer. Die Türkei war 1974 auf die Insel im Mittelmeer einmarschiert. Nun befindet sich eine UN-kontrollierte Sicherheitszone zwischen dem griechischen und türkischen Teil der Insel. Der Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei ist auch eines der Gründe, der die Verhandlungen zum EU-Beitritt der Türkei wesentlich erschwert. Die Verhandlungen zur “Wiedervereinigung” der Insel laufen indes, und in der Hauptstadt Nikosia soll die Mauer als symbolischen Schritt für das Ende des Konflikts abgerissen werden commander cialis pas cher.

Schließlich sind die Mauern, die aus dem Konflikt in Nordirland entstanden sind, immer noch sichtbar. In Belfast wurden die sogenannten “peace lines” 1969 gebaut, um die katholische und protestantische Bevölkerung zu trennen. Bis 2023 sollen diese Mauern endgültig fallen. Doch die Narben, die der Konflikt hinterlassen hat sich immer noch sichtbar. So besagt eine Studie der Universität Ulster von 2012, dass 69% der Bevölkerung Nordirlands glaubt, dass die Mauern notwendig sind, um die Gewalt in Schach zu halten.

Zwar ist Deutschland wiedervereinigt. Doch weltweit gibt es noch genügend Mauern, die fallen sollten. 

Unsichtbare Mauern gibt es auch noch heute mitten in der Gesellschaft. Vermögen, Bildungschancen, Zugang zu Kultur, zu einer Krankenversicherung, einem sicheren Wohnplatz und zur Infrastruktur sind nicht für jeden selbstverständlich. Soziale Ausgrenzung wird zwar nicht durch eine Mauer symbolisiert, doch man trifft sie allgegenwärtig auf der Straße. Der Mauerfall soll auch daran erinnern. Zwar ist Deutschland wiedervereinigt. Doch weltweit gibt es noch genügend Mauern, die fallen sollten.

French-German twentysomething living in Berlin. Winner of the blogging competition "Zukunft Europa", organised by the debating magazine "The European" and the Konrad-Adenauer-Stiftung. The views expressed are mine and mine only /// Deutsch-Französin und Berlinerin. Gewinnerin des Blogger-Wettbewerbs "Zukunft Europa" des Debattenmagazins "The European" und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Ansichten, die auf diesem Blog vertreten sind, sind meine (und keine Anderen.)

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