Über Ethik, Unternehmen und das Gemeinwohl

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Bei einem kleinen Abend unter Freunden ist erst kürzlich eine hitzige Diskussion entbrannt – Und zwar ging es um PR-Agenturen, die Unternehmen im Energiebereich beraten. Und weil diese Unternehmen enorme Gewinne machen, können sie sich eben die PR-Spezialisten leisten, die ihnen eine gute Medienresonanz verleihen und Krisen möglichst vermeiden. Das mag ungerecht sein, weil andere Interessengruppen das nicht können – aber sollte man die Unternehmen verurteilen, die sich gute Unternehmenskommunikation leisten können? Sollte man nicht viel mehr hinterfragen, wieso es keine Regulierungen in diesem Bereich gibt? Und vielleicht hätte man sich das Ganze anders überlegen sollen, als die Politik mit Wirtschaftsfreiheit und Liberalismus herumposaunte. Weil das heißt eben auch, dass man mit viel Geld viel erreichen kann.

Es ist naiv und etwas unbesonnen zu glauben, die Unternehmen würden sich um Menschenrechte und Demokratie kümmern. Es sind nämlich Unternehmen, und keine Regierung – sich um das Gemeinwohl sorgen ist nun mal nicht ihre Aufgabe.

Nun stellt sich auch die Frage, wie politisch korrekt und moralisch es ist, für Öl- und Gasunternehmen, die international tätig sind, zu arbeiten. Sicherlich ist es nicht besonders gut für die Umwelt, und außerdem drückt man gerne mal ein Auge zu wenn die Unternehmen in den Ländern tätig sind, in denen die Wörter „Demokratie“, „Toleranz“ oder „Freiheit“ fremd klingen. Nur durch den Druck der Öffentlichkeit und der Politik wird sich hier etwas ändern. Es ist naiv und etwas unbesonnen zu glauben, die Unternehmen würden sich um Menschenrechte und Demokratie kümmern. Es sind nämlich Unternehmen, und keine Regierung – sich um das Gemeinwohl sorgen ist nun mal nicht ihre Aufgabe.

Vielmehr sollte man sich im Klaren sein, welche Ziele ein weltweit agierendes Ölunternehmen hat. Durch die Erschließung von Energiequellen wird die Energieversorgung gesichert. Und dabei wird versucht, möglichst viel Gewinn herauszuschlagen – also ein wirtschaftlich rentables Unternehmen zu sein. Dabei sehe ich soweit keine moralischen Aufgaben.  Außerdem verteidigen Unternehmen ihre Interessen – daran ist nichts falsch. Das gehört nämlich zu einer gesunden Demokratie, dass verschiedene Interessengruppen ihre Themenbereiche verteidigen und  bestimmte politische Ziele verfolgen.

Unternehmen sollten sich natürlich auch Gedanken machen, was für Konsequenzen ihr Handeln für die Gesellschaft hat.

Unternehmen sollten sich natürlich auch Gedanken machen, was für Konsequenzen ihr Handeln für die Gesellschaft hat. Und der Erfolg des „CSR“– Konzepts ist dabei ein großer Schritt in die richtige Richtung. Aber man sollte nicht die Rollen und Aufgaben des einen mit denen des anderen verwechseln. Die Hauptaufgabe von Unternehmen ist es nicht, sich um das Gemeinwohl der Bevölkerung zu kümmern – dafür brauchen wir kompetente Politiker, die nicht nur die Interessen der Unternehmen vertreten, sondern eben das Gemeinwohl.

Problematisch wird es, wenn die Grenzen zwischen Wirtschaft und Politik ins Graue verlaufen. Und da gibt es noch eine jede Menge Arbeit, um Politik transparenter zu machen, und um eine Wirtschaftspolitik im Sinne der Allgemeinwohls (also hauptsächlich der Bevölkerung und nicht der Unternehmen) auf die Beine zu stellen.

Ölunternehmen passen nicht ins Bild der Gutmenschen

Ölunternehmen passen eben nicht ins Bild der Gutmenschen. Doch weiß man immer welche Konsequenzen unser Handeln hat? Kann man sich immer sicher sein, welche Vor- und Nachteile für das Gemeinwohl entstehen, wenn man in diesem oder jenem Bereich arbeitet? Der öffentliche Dienst befindet sich des Öfteren auch im moralischen Zwielicht wenn es um politische Projekte geht, die mit Steuergelder finanziert werden.

Wenn man dieses Fass aufmacht realisiert man schnell, dass es doch gar nicht so einfach ist, Wirtschaftsbereiche und Berufe in die Kategorie „böse“ oder „gut“ zu stecken. Und wenn man nämlich alles nur noch von einem moralischen Standpunkt aus betrachtet, dann dürfte ich wahrscheinlich nicht mehr an meinem Computer weiter tippen – immer ist es ein Mac, der sicherlich in China unter menschenrechtsverletzenden Bedingungen zusammengebastelt wurde.

Natürlich ist es besser, sich Missständen bewusst zu werden und dagegen anzukämpfen: Doch dafür braucht man den richtigen Ansatzpunkt.

Mir reicht das Vorherrschen des moralisierenden Paternalismus, sowohl in den Medien als auch in der Politik – besonders bei Parteien im linken Spektrum. Natürlich ist es besser, sich Missständen bewusst zu werden und dagegen anzukämpfen: Doch dafür braucht man den richtigen Ansatzpunkt. Schimpftiraden sind, soviel ich weiß, keine gute Methode zur Lösungsfindung.

French-German twentysomething living in Berlin. Winner of the blogging competition "Zukunft Europa", organised by the debating magazine "The European" and the Konrad-Adenauer-Stiftung. The views expressed are mine and mine only /// Deutsch-Französin und Berlinerin. Gewinnerin des Blogger-Wettbewerbs "Zukunft Europa" des Debattenmagazins "The European" und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Ansichten, die auf diesem Blog vertreten sind, sind meine (und keine Anderen.)

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